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Ratgeber Protrusionsschiene – Antworten aus der Praxis

Dr. Daniel Grätz

Letztes Update am Mai 23, 2023

Protrusionsschienen helfen in vielen Fällen gegen Schlafapnoe. Mittlerweile sind sie auch Kassenleistung. Wie genau sie helfen und wann die Kasse zahlt.


1. Was ist eine Protrusionsschiene?

Eine Protrusionsschiene besteht aus medizinischen, miteinander verbundenen Kunststoffbögen, die während des Schlafs auf den Zähnen getragen werden. Diese schieben den Unterkiefer und damit auch Zunge und Zungengrund nach vorne. Aus diesem Grund wird die Protrusionsschiene auch als Unterkieferprotrusionsschiene bezeichnet. Sie halten so den Rachenraum und die Atemwege frei. Damit wird eine sehr häufige Ursache von Schnarchen und Schlafapnoe bekämpft, nämlich dass der erschlaffte Zungengrund hinten in den Rachenraum rutscht und diesen verengt oder gar verschließt.

Die Protrusionsschienen können aus einem Stück oder aus zwei Teilen bestehen.

Hochwertige Schienen bestehen regelmäßig aus zwei Teilen, während im Einstiegssegment Monoblock-Schienen vorherrschen.

Dies verwundert nicht. Bei einem Vergleich der beiden Schienentypen zeigt sich, dass einteilige Schienen im Vergleich zu zweiteiligen Schienen zwei wesentliche Nachteile haben:

  • Erstens, der Vorschub kann nicht genau eingestellt werden. Denn der Vorschub wird bei der Anpassung eingestellt, indem der Anwender seinen Unterkiefer nach vorne streckt. Für eine erneute Vorschub-Einstellung muss die gesamte Anpassung wiederholt werden. Dies kann schnell zu Materialermüdung führen. 
  • Zweitens, die Kiefergelenke können regelmäßig nicht seitlich bewegt werden. Dies kann schnell zu Kiefergelenksschmerzen und Verspannungen führen.
Einteilige Schiene Zweiteilige Schiene
Einstellung Vorschub
Einstellung Vorschub
WÄHREND der Anpassung, nur mit erneuter Anpassung möglich
+ NACH der Anpassung, variabel ohne erneute Anpassung möglich
Präzision Einstellung
Präzision Einstellung
Unpräzise (Anwender zieht Unterkiefer bei Anpassung nach vorne)
+ Recht präzise bis hochpräzise, abhängig vom System
Seitliche Beweglichkeit Kiefergelenk
Seitliche Beweglichkeit Kiefergelenk
Keine
Niedrig bis hoch (je nach System)
Mundatmung
Mundatmung
+/- Regelmäßig blockiert
+/- Eingeschränkt bis uneingeschränkt
Vergleich einteilige versus zweiteilige Protrusionsschiene

Monoblock-Schienen bieten sich jedoch dann an, wenn gleich zwei Ursachen das Schnarchen auslösen, nämlich ein verengter Rachenraum und zusätzlich vibrierendes Gaumengewebe. Denn sie machen nicht nur den Rachenraum frei, sondern blockieren auch die Mundatmung, die das Gaumengewebe zum Vibrieren bringt. Ein Anhaltspunkt für diesen Schnarchtyp ist, dass in jeder Lage geschnarcht wird.


Diese Protrusionsschienen (zweiteilig) sind unsere Kundenlieblinge


2. Wie wirken Protrusionsschienen?

Haupteinsatzgebiet von Protrusionsschienen sind das Schnarchen in Rückenlage und lageabhängige obstruktive Schlafapnoe. Von Lageabhängigkeit spricht man üblicherweise, wenn das Schnarchen oder die obstruktive Schlafapnoe in Rückenlage mindestens doppelt so häufig vorkommen wie in Seitenlage. 

Ursache ist dann, dass der Zungengrund im Schlaf erschlafft, in den Rachenraum rutscht und diesen dadurch verengt oder gar verschließt. 

Hiergegen helfen Unterkieferprotrusionsschienen. Sie verhindern sehr effektiv, dass die Zunge im Schlaf überhaupt nach hinten in den Rachen sinken kann, indem sie den Unterkiefer wenige Millimeter nach vorne verlagert und damit den Zungenmuskel leicht unter Spannung versetzt. Wegen dieser leichten Spannung kann der Zungenmuskel nicht mehr nach hinten in den Rachen sinken. Die Atemwege bleiben frei. Sie schlafen frei von gefährlichen Atemunterbrechungen und lästigen Schnarchgeräuschen.

Dies lässt sich anschaulich in der folgenden Grafik zeigen:

Protrusionsschienen sind ein anerkanntes Mittel gegen lageabhängiges Schnarchen und positionsbedingte Schlafapnoe. Wie gut Protrusionsschienen gegen lageabhängige obstruktive Schlafapnoe wirken, hängt von dem Schweregrad der Krankheit ab:

  • Bei leichter und mittelgradiger Schlafapnoe können Protrusionsschienen die Anzahl der Atemaussetzer so verringern, dass die Schlafapnoe keinen Krankheitswert mehr hat. Davon spricht man, wenn weniger als fünf Atemaussetzer pro Stunde vorliegen. 
  • Bei schwerer Schlafapnoe (mehr als 30 Atemaussetzer / signifikante Atemreduktionen pro Stunde) können Protrusionsschienen die Anzahl der Atemaussetzer zwar deutlich verringern, jedoch häufig nicht auf unter fünf pro Stunde bringen. Der Schweregrad der Schlafapnoe ist dann zwar stark verringert, aber die Schlafapnoe ist nicht abgestellt. Protrusionsschienen werden in diesem Fall entweder ergänzend in der CPAP-Therapie eingesetzt, um den notwendigen Überdruck zu verringern oder dann, wenn für den Patienten eine CPAP-Therapie nicht in Betracht kommt (Therapiegedanke: Schlafapnoe mildern ist besser als gar keine Therapie).

3. Wann kann eine Protrusionsschiene verwendet werden?

Um eine Protrusionsschiene verwenden zu können, sollten nach unserer Praxiserfahrung zwei Bedingungen erfüllt sein:

  • Es sollten jeweils zehn gesunde Zähne im Oberkiefer und Unterkiefer vorhanden sein, d.h. insgesamt mindestens zwanzig Zähne. 
  • Diese sollten wie folgt verteilt sein: Fünf gesunde Zähne jeweils auf der linken und rechten Seite des Oberkiefers sowie weitere fünf gesunde Zähne auf der jeweiligen linken und rechte Seite des Unterkiefers.

Unterkieferprotrusionsschienen können auch getragen werden bei:

  • Fest verankerten Brücken, Teil- oder Vollkronen (nicht hingegen, wenn diese instabil oder in schlechtem Zustand sind) 
  • Fest verankerten Prothesen und Implantaten (ggf. nach zahnärztlicher Abklärung)

Es sollte vor der Anwendung einer Protrusionsschiene immer Rücksprache mit dem behandelnden Zahnarzt gehalten werden, wenn der Anwender

  • lockere Zähne hat oder die oberen und unteren Vorderzähne nicht gesund sind, 
  • an Kieferschmerzen, einer ernsthaften Zahnfleisch- oder Kiefergelenkserkrankung oder sonstigen Kieferbeschwerden leidet, 
  • chronisches Asthma hat oder an Epilepsie erkrankt ist, 
  • Zahnspangen, Knirscherschienen oder Aligner trägt.

4. Was sind die Nebenwirkungen von Protrusionsschienen?

Wie bei den meisten Medizinprodukten können auch bei Protrusionsschienen Nebenwirkungen auftreten. Diese können Zahnsensibiltät, starker Speichelfluss oder eine Veränderung der Zahnstellung sein. Die meisten Nebenwirkungen sind jedoch nur vorübergehend oder lassen sich einfach beheben.

Nebenwirkung ProtrusionsschieneWas kann man dagegen tun?
Morgendliche Zahnsensibilität3-4x nach dem Aufstehen Kiefer aufeinanderpressen, Zahnsensibilität verschwindet dann i.d.R.
Spannungsgefühl auf GelenkGebiss wieder in “Normalzustand” versetzen durch:
  • 3-4 nach dem Aufstehen Kiefer aufeinanderpressen
  • Kurz auf rechter und linker Zahnkranzseite auf Kaugummi kauen
  • Mit der geöffneten Hand vorsichtig Druck nach hinten auf den Unterkiefer ausüben
Schmerzen am OhransatzTritt gerade zu Nutzungsbeginn häufig auf, legt sich üblicherweise schnell. 
Hiergegen kann ansonsten helfen, am Anfang den Vorschub zu verringern und dann erst graduell zu steigern. 
Zudem können hier auch jene Übungen helfen, die das Gebiss in den “Normalzustand” bringen (siehe Punkt “Spannungsgefühl auf Gelenk”).
Starker SpeichelflussLegt sich üblicherweise nach einigen Tagen regelmäßiger Anwendung.
Verzahnung von Zähnen des Oberkiefers mit Unterkiefer ist verändertHier können jene Übungen helfen, die das Gebiss in den “Normalzustand” bringen (siehe Punkt “Spannungsgefühl auf Gelenk”).

5. Was kostet eine Protrusionsschiene?

Das kommt auf die Art der Protrusionsschiene an. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Schienen, die von einem Zahnarzt oder Zahntechniker hergestellt werden (sog. Individualschienen), und industriell hergestellten Konfektionsschienen: 

  • Zähnärztliche Individualschienen kosten, je nach Fertigungsweise und System, ca. zwischen 600 bis 1.400 Euro. 
  • Konfektionsschienen, die als Medizinprodukte zertifiziert sind, kosten zwischen 50 und 150 Euro. 

Dieser deutliche Kostenunterschied hängt mit der sehr unterschiedlichen Fertigungsweise bei diesen beiden Schienentypen zusammen: 

  • Bei Individualschienen wird zunächst ein Abdruck der Zähne im Ober- und Unterkiefer erstellt (entweder per Druckform oder 3D-Scan). Daraus wird dann ein Modell im Zahntechniker-Labor erstellt, auf dessen Basis die Schiene angefertigt und anschließend  vom Zahnarzt an das Gebiss angepasst wird. Danach wird der Vorschub eingestellt. 
  • Konfektionsschienen werden industriell aus Kunststoff hergestellt, der in der Regel in einem heißen Wasserbad formbar gemacht werden kann. Die Schiene wird dann in erwärmtem und damit weichem Zustand auf den Zahnkranz gesetzt und dann an das Gebiss angepasst. Sie werden daher auch häufig boil & bite-Schienen genannt. Der Vorschub wird dann entweder bei der Anpassung oder nach der Anpassung eingestellt.

6. Bezahlt die Krankenkasse die Protrusionsschiene?

Bei allen Krankenkassen, gleich ob gesetzlich oder privat, gilt: Es wird nur dann die Protrusionsschiene bezahlt, wenn das Schnarchen tatsächlich eine Krankheit ist. Ist das Schnarchen nicht mit Atemaussetzern verbunden (sog. einfaches Schnarchen), dann hat es keinen Krankheitswert. In diesem Fall gibt es generell keine Erstattung der gesetzlichen Krankenkasse. 

Wird hingegen obstruktive Schlafapnoe diagnostiziert, dann wird grundsätzlich die Protrusionsschiene von der Krankenkasse bezahlt.  

Bei den gesetzlichen Krankenkassen gibt es hierfür drei wesentliche Voraussetzungen: 

  • Es ist zunächst eine Verordnung durch einen kassenärztlichen Schlafmediziner erforderlich. 
  • Eine Überdrucktherapie (Beatmung mit CPAP-Maske) zur Behandlung von Schlafapnoe kann nicht erfolgreich durchgeführt werden. 
  • Es muss sich um eine zahntechnisch gefertigte Individualschiene handeln, die von einem Kassen-Zahnarzt eingestellt und kontrolliert wird. Konfektionsschienen werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet.

In unserem aktuellen Fachartikel Kostenübernahme einer Schnarchschiene durch Krankenkasse haben wir alle wichtigen Informationen zu diesem Thema kompakt für Sie zusammengestellt.

Private Krankenkassen bzw. die Beihilfe erstatten grundsätzlich Protrusionsschienen. Die genauen Erstattungsvoraussetzungen hängen jedoch vom jeweiligen Vertragswerk ab. Es ist daher ratsam, sich vorab bei der privaten Krankenkasse hierzu zu erkundigen (ggf. mit einem Kostenvoranschlag oder einem Heil- und Kostenplan).

Dr. Daniel Grätz

Dr. Daniel Grätz ist Geschäftsführer von health.On Ventures GmbH, einem führenden deutschen Online-Anbieter von Schnarchschienen und berät Kunden bereits seit vielen Jahren hierzu.

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